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Schlagwort: Eiderstedt

Eindrucksvolle Kirchen an der Nordsee

Sommerkirche Welt St. Michael (c) Foto Oliver Franke

Sommerkirche Welt St. Michael (c) Foto Oliver Franke

Pellworm

Gleich hinter dem Deich im Westen von Pellworm liegt St. Salvator. Die Turmruine war einst doppelt so hoch und ragte mehr als 50 Meter in den Himmel. Im 17. Jahrhundert stürzte der Turm ein, heute hausen hier Tauben und ein paar Turmfalken. Die Alte Kirche von Pellworm gilt als eine der ältesten in Nordfriesland, erbaut wurde sie wohl auf einer alten Thingstätte. Dafür spricht ihre Lage in der gleichen Himmelsrichtung und demselben Abstand zwischen den Kirchen von Tating/Eiderstedt, Nieblum/Föhr und Keitum/Sylt. Dies entspricht der Anordnung von Thingstätten, uralten Orten von Gemeinsamkeit und Gerichtsbarkeit. Hier spürt mancher Besucher eine spirituelle Kraft: „In der Alten Kirche einen Gottesdienst zu feiern, ist etwas Besonderes“, sagt Pastorin und Spiritualin Alexandra C. Teresa Hector, „dieser Ort ist seit vielen Jahrhunderten eingebetet und wurde vermutlich schon religiös genutzt, bevor die Kirche dort stand. Der Raum hat eine besondere Energiedichte, die in Richtung der Apsis – des ältesten Ortes der Kirche – zunimmt.“ Im Rahmen von Kirchenführungen lässt sie Gäste mit geschlossenen Augen in Richtung des Altarraumes gehen; die meisten Leute merken, wie sich etwas verändert, je näher sie der Apsis kommen. „Gehen die Gäste – nun mit offenen Augen – zurück, spüren sie, wie die Energie wieder nachlässt. Es ist, als schreite man durch einen Vorhang, wenn man unter dem Triumphkreuz hindurchgeht.“ Wer genauer hinsieht, wird auf dem Altar die Szenen aus der Leidensgeschichte Jesu erkennen. Wer an einer Kirchenführung teilnimmt, darf den 16teiligen Bilderaltar bewundern, dessen Gemälde die Mariengeschichte erzählen und erfährt, was sich hinter der verschlossenen Rückwand befindet (zwei spannende Kirchengeschichten). Und sollte man das Glück haben, in dieser beeindruckenden Kirche ein Orgelkonzert zu hören (für Fachleute: Arp-Schnittger-Orgel von 1711, herausragendes Beispiel der Orgelbaukunst des 18. Jahrhunderts), der wird vielleicht ein klein wenig Gänsehaut bekommen – auch wenn er (noch) nicht all die Geschichten um diese Kirche, diesen uralten Kult-Ort, kennt.

Meldorf

Meldorf war früher, an der Westküste, einer der wichtigsten Orte zwischen Hamburg und Dänemark, schön ist das Städtchen noch heute. Der Kirchturm von St. Johannes überragt die Marsch und Meldorf selbst. Wenngleich frühe Reisende auf diese Wegmarke verzichten mussten – der Turm in seiner heutigen Form wurde erst im vorvergangenen Jahrhundert errichtet. Egal, aus welcher Himmelsrichtung man kommt, den Turm sieht man immer und zuerst; die Kirche ist noch heute Mittelpunkt Meldorfs. Wer das große Kirchenschiff betritt, wird sich sogleich geborgen fühlen in einer der wichtigsten und größten Kirchen an der Westküste. Die Marsch ist fruchtbar und war reich, in diesem Gotteshaus sieht und spürt man es: Die Gewölbemalereien sind ein wahrer kunstgeschichtlicher Schatz und „…in Norddeutschland einmalige Malereien“, heißt es. Diesen Wohlstand zeigen auch die kirchlichen Kunstschätze, zu jeder Zeit wollte der Anspruch der Geistlichkeit deutlich gemacht und gezeigt werden: „Zum Beispiel der Passionsaltar von 1520 im Altarraum und das prächtige Chorgitter von 1603 aus nachreformatorischer Zeit, im Stil der Renaissance geschnitzt, sowie bedeutungsvolle Epithapien, das sind Totengedächtnistafeln, dieser Zeit“, erfährt der Gast während einer Führung. Und doch ist dieses Haus mehr als nur ein Museum. Die Meldorfer Kirche ist auch heute noch Mittelpunkt einer lebendigen Gemeinde (beispielsweise mit Ausstellungen und Konzerten) und wesentlich mehr als nur ein Zeugnis bewegter Geschichte. Aber allein das lohnt einen Besuch im „Dom der Dithmarscher“. Ein Dom? Zu keiner Zeit hat hier ein Bischof residiert und damit die Bezeichnung Dom gerechtfertigt. „Jedoch bereits Adam von Bremen hat die Kirche als Mutterkirche bezeichnet, als erstes und zentrales Gotteshaus weit und breit, daher ist „Meldorfer Dom“ sicher gerechtfertigt und nicht wirklich falsch“ – wer mit den Stadtführern unterwegs ist, lernt eine Menge. Staunen und studieren. Und natürlich ist dies ein Haus für die Andacht und zum Innehalten – schon zur Zeit Jesu lebten und wärmten sich an dieser Stelle Menschen: rund drei Meter unterhalb der letzten Bänke hinten rechts fand man uralte Feuerstellen. Außergewöhnlich bis heute: „Etwas ganz Besonderes im Meldorfer Dom sind die vielfältigen Orgelkonzerte, z.B. zum Schleswig-Holsteinischen Musikfestival oder der Kirchengemeinde. Die Marcussen Orgel mit den spanischen Trompeten und die einzigartige Akustik im Dom lassen ein Konzert beim Besucher noch lange Nachklingen. Ja – oder Sie besuchen die Freitagsandacht oder den Sonntagsgottesdienst um 10.00 Uhr – ein Besuch lohnt sich!“

Föhr

Einsam in der Marsch bei Süderende im Westen der Insel Föhr liegt die Kirche von St. Laurentii. Hat sich das Auge an das gedämpfte Licht gewöhnt, erkennt man an den weißgekalkten Gewölbedecken Malereien. Wirkt diese Kirche eher in klösterlicher Kargheit, faszinieren diese himmlischen Malereien umso mehr. „Diese barocken Kalkmalereien waren lange Zeit überstrichen“, sagt Ralf Brodersen, „erst 1954 wurden sie im Rahmen von Restaurierungsarbeiten freigelegt und wiederhergestellt. Gehören sie doch zu den wenigen und besonders interessanten Beispielen protestantischer Gewölbemalerei.“ Zu sehen sind unter anderem Darstellungen der Begegnung Jesu mit den Schriftgelehrten sowie die Gestalt des Henkers aus der Schilderung der Enthauptung Johannes des Täufers. „Diese Malerei kann man über der Orgel erkennen“, sagt Brodersen und weist darauf hin, dass der hohe Salzgehalt der Luft und die Heizung den Gewölbemalereien, ja dem ganzen Putz, derart zugesetzt haben, dass vor zwanzig Jahren erneut eine Restaurierung stattgefunden hat. Je länger man hinauf schaut, desto besser erkennt man die Malereien; es ist spannend. Brodersen geht zum Altar. Dahinter stehen in einem spätgotischen Altaraufsatz zwölf Figuren, darunter Christus und die gekrönte Maria, aber auch eine Heilige mit Schwert. Ralf Brodersen berichtet, dass diese Figuren mehr als fünfhundert Jahre alt sind und vermutlich in einer heimischen Werkstatt geschnitzt worden sind. Er kennt aber auch andere Geschichten der Seefahrer-Insel Föhr, weltlichere, und weist auf den Fußboden: „Vor dem Altar liegen Grabplatten. Sie erinnern an bedeutende Föhrer Persönlichkeiten, die hier bestattet wurden. Zum Beispiel an Pastor Ricardus Petri, der, neben seiner seelsorgerischen Arbeit, im 17. Jahrhundert der Föhrer Jugend kostenlosen Mathematik- und Astronomieunterricht gab.“ Wichtig war das für die Navigation auf See; auf, dass die Föhrer erfolgreiche Seefahrer wurden. Wie der „Glückliche Matthias“, kaum jemand erlegte mehr Wale als er. Auch Matthias Petersen fand seine letzte Ruhe einst vor diesem Altar. „Als seine Erben dafür nicht zahlen wollten, kam er auf den Friedhof“, sagt Brodersen. Aber das ist eine andere Geschichte, die steht draußen in Stein gemeißelt

Wesselburen

Wer durch den Vorraum in die Kirche St. Bartholomäus zu Wesselburen tritt, wird von einer feierlich-fröhlichen Orgelmusik empfangen. Das – ungewöhnliche – Tonnengewölbe schafft einen großen Raum, ohne Nischen und von durchgehender Offenheit. „Diese Kirche hat eine wunderbare Akustik“, sagt Stadtführerin Ruth Arnold und die Klänge schaffen eine Gänsehaut, voll Emotion, voll Ehrfurcht „…deshalb gibt es hier viele Konzerte.“ In der Tat ist dies eine ungewöhnliche Kirche, schon allein wegen des markanten Zwiebelturms. „Der fällt jedem Besucher schon von weitem auf“, meint die Stadtführerin, „Warum dies so ist? Nun, ganz einfach: Nach dem großen Kirchbrand von 1736 schuf Kirchenbaumeister Schott dieses Gotteshaus in der heutigen Form. Er stammte aus Süddeutschland – und setzte mit dem Zwiebelturm ein Zeichen seiner Heimat auf das Dach.“ Um den Turm ranken sich viele Legenden, die Wahrheit ist ebenso unromantisch, wie das was drin ist – in der „Zwiebel“ selbst die Stundenglocke. Zurück in diese außergewöhnliche Kirche. Auffällig ist der „Blaue Stuhl“, die vollständig mit Holz umkleidete und mit Figuren verzierte Empore. „Sie wurde für den Herzog gebaut und zur Eröffnung der Kirche nur ein einziges Mal benutzt.“ Heute ist der „Blaue Stuhl“ ein Lager für Technik. Durch die Fenster fällt das Licht und spielt dahinter in bunten Farben, im Kirchenschiff ist es sanft und gedämpft, mit den verhallenden Klängen der Orgel eine schöne Atmosphäre. Die mächtigsten Familien Wesselburens hatten mit der „Roten Loge“ nicht nur ihren, teuer bezahlten, eigenen Platz, sondern auch ganze Grüfte für die Verstorbenen. Als man vor rund hundert Jahren diese Grüfte freilegte, um die Toten umzubetten, fand sich „ein mumifizierter Leichnam mit weißer Zipfelmütze und Handschuhen“ (Ruth Arnold). Und sie erinnert beim Rundgang daran, dass eine Kirche Schutz bietet: „Als die Orkanflut 1962 das Land zu ertränken drohte, bereitete sich die Bevölkerung zur Flucht in die Kirche vor – das ist der höchste Ort hier weit und breit.“

Büsum

Doch, auch mitten im trubeligen Büsum gibt es ruhige Orte. Nur ein paar Schritte abseits der geschäftigen Hauptstraße liegt die St. Clemens Kirche. Ein wuchtiger Ziegelsteinbau mit weiß verputzten Wänden. Gelegen, und dies ahnt man in der Innenstadt kaum, auf einer hochgelegenen Warft – ein Vorgängerbau ging 1362 in einer Orkanflut unter. „Büsum war bis 1585 eine Insel mit mehreren Dörfern, hier lebten Schiffer, Fischer, Küstenbewohner; deren Schutzheiliger St. Clemens ist“, erklärt Gästelotse Raimund Donalies und führt in die „Fischerkirche“. Tritt man in die reich geschmückte Kirche ein, umgibt den Gast eine sakrale Stille, die dicken Mauern bieten Schutz vor allem, was da von draußen kommt. So scheint es. Doch bei der Allerheiligenflut im 16. Jahrhundert schwappten die Wellen an die Kirchenwand. Und noch etwas ganz anderes erschütterte zu dieser Zeit die Grundfesten der Kirche: Vor fünfhundert Jahren schlug Martin Luther seine Thesen an eine ferne Kirchentür, Jahre später erreichte die Reformation auch Dithmarschen. 1524 predigte der Reformator Heinrich van Zutphen in der Büsumer Mutterkirche zu Meldorf und wurde dafür ermordet. Zu den Anführern dieses Mordkomplotts gehörten auch Familien aus dem „Rat der 48er“, der Regierung der damals de facto unabhängigen Bauernrepublik Dithmarschen. Reformation, das sollte erst mal nicht sein. Links neben dem Eingang ist erhöht eine Empore. Donalies weist auf die Bänke, die unten in Kirchenschiff stehen, am Ende dieser Empore „Hier stehen ein paar wenige, besondere, Kirchenbänke: an der ersten Bank dieser kleinen Reihe befindet sich die Gestühlswange der Familie der Diekbolligmannen, ohne Zweifel gehörten sie zu den örtlichen Machthabern“, erklärt er. Darauf zu sehen ist – ein Abbild Martin Luthers. Geschaffen 1564 ist sie die älteste Darstellung des Reformators in Schleswig-Holstein. Viel älter ist die Bronzetaufe aus dem 13. Jahrhundert – Geschichte und Geschichten (fragen Sie am Taufbacken mal nach Piraten!), und doch ein Ort zum Innehalten.
Hallig Hooge
Wo sonst wird das Gefühl von Schutz und Geborgenheit so deutlich, wie auf einer sicheren Insel in tobendem Meer. Auch auf den meisten der Halligen gibt es ein Gotteshaus, obwohl es die kleinsten Gemeinden des Landes sind. So auch auf der Hallig Hooge, auf einer Erhebung, die den Namen Kirchwarft trägt. Ein kleines Gotteshaus; doch Schutz und Trutz. In einer Gegend weit draußen in der Nordsee, die so verletzlich ist und den Naturgewalten ausgeliefert. Land unter ist hier nichts Besonderes, dann steht St. Johannis mal wieder allen in wilder See. Der (leere) Sarkophag aus Stein, der an der Warftkante liegt, wurde einst bei einer Sturmflut freigespült. Überhaupt dreht sich in der Geschichte dieses Gotteshauses viel um die Flut: Obwohl die Hooger Kirche erst 1639 geweiht wurde, „…trägt eine Bank die Jahreszahl 1624“, berichtet die stellvertretende Pastorin Gertrude von Holdt-Schermuly „es ist die hintere Bank auf der linken Seite des Gestühls.“ Im Jahre 1624 wurde die Kirche von Osterwohld geweiht, zehn Jahre später versank das Kirchspiel bei einer mörderischen Orkanflut zusammen mit der zerstörten Insel Strand, auf der sie stand. Auch die meisten Kirchen gingen unter, Trümmer – auch die von Osterwohld – fanden sich im Watt und am Strand. „Auch die Backsteine der Hooger Kirche, das Taufbecken, die Stuhlwangen und die Kanzel stammen aus der zerstörten Kirche von Osterwohld“, erklärt die Pastorin. Die See nimmt, die See gibt – Männer von Hooge verließen damals die Hallig und verdienten ihr Auskommen mit dem Walfang. „Schauen Sie sich mal die Tür zur Kanzel genauer an“, meint sie und zeigt die „Walfischtür“, sie stammt aus dem 18. Jahrhundert, der Zeit des Walfangs, abgebildet ist eine Walkuh mit ihrem Kalb. Im hinteren Teil der Kirche hängt ein Votivschiff an der Decke: „Dies schenkten die Hooger dem dänischen König Frederik als Dank für seine finanzielle Hilfe und seinen Besuch auf der Hallig nach einer verheerenden Sturmflut 1825. Der König verfügte, dass das Schiff in der Kirche verbeiben sollte.“ Und warum hat die Kirche kein Fundament, warum nur ein lockeres Gemisch aus Muschelschalen und Sand? „Damit nach einer Sturmflut das Wasser besser ablaufen kann.“

Amrum

Ob die Amrumer Strandräuber, Seemänner und Matrosen nun damals wirklich auf den Kirchenbänken gesessen haben, wissen die meisten Gäste nicht. Aber voll ist Amrums Inselkirche St. Clemens zu den Gottesdiensten eigentlich immer. Und wer kommt, fühlt sich der friesischen Freiheit auch ein bisschen nah. Unter Reet, weiß getüncht, etwa 1240 gebaut, viel Holz, mit einem Taufbecken aus Eiszeit-Findling und dem Kronleuchter eines Grönland-Commandeurs an der Kirchendecke – in solch einer Umgebung mag man gern sitzen. Draußen hat ein Team von Inselliebhabern und -kennern dafür gesorgt, dass die berühmten sprechenden Steine, die einst grau und dunkel an der Kirchenmauer lehnten, nun frisch und stolz auf dem Kirchhof die alten Geschichten der Insel erzählen: von Seefahrern, Walfängern und Sklavenhändlern. Auch die Gemeinde ist lebendig. Unter der derzeitigen Vakanzvertretung wurde gerade eine neue Pastorenstelle ausgeschrieben: für jemanden mit dickem Fell, wie eine Zeitung schrieb. So eine Insel ist eben eine Herausforderung.

Eiderstedt

Aus drei Inseln entstand durch Landgewinnungsmaßnahmen die Halbinsel Eiderstedt. Daraus resultiert eine einzigartige Kirchendichte voller kultureller Schätze. Die im wahrsten Sinne auf Sand gebauten Gotteshäuser sind wie die hiesigen Bewohner von den rauen klimatischen Einflüssen geprägt, vor allem Sandverwehungen und Sturmfluten machten ihnen immer wieder zu schaffen. Früher gaben Kirchtürme Seemännern Orientierung, heute fahrradbegeisterten Touristen – denn an jedem Ort der Halbinsel ist immer mindestens ein Turm in Sicht. Schon im 12. Jahrhundert veranlassten die wohlhabenden Landwirte den Bau der ersten Kirchen, noch heute steckt hinter jeder der 20 von ihnen eine spannende Geschichte. Die meisten werden sich wundern, was die Kirchen für Überraschungen bergen, es lohnt sich also auf Schatzsuche zu gehen.
Geprägt durch die einzigartige Landschaft direkt am Weltnaturerbe Wattenmeer, wird Westerhever gerne als Oase der Ruhe gesehen, dass es hier früher unter den Wogemännern heiß herging, ahnt heute keiner mehr. Mitten drin liegt St. Stephanus auf einer Warft, einer kleinen Erhebung, die vor den Wassermassen der Herbststürme der Nordsee schützen soll. Nichtdestotrotz wurde das Kirchenschiff der ursprünglich 1370 gebauten Kirche bei einer Sturmflut zerstört und erst 1804 wieder aufgebaut. Der Kirchturm ist noch in seiner Ursprünglichkeit erhalten und damit der älteste der Halbinsel Eiderstedt. Der „steile“ Aufstieg zur Kirche wird von einem prächtigem Taufengel, dem antiken Taufstein und einer pastellfarbenen Gesamtatmosphäre belohnt, die Ruhe und Friedlichkeit ausstrahlen.
Regionale Rivalitäten mit den damals befeindeten Dithmarschern machten auch vor der Kirche St. Michael nicht halt, so musste sie nach der Zerstörung 1415 wieder aufgebaut werden. Die Kirche verinnerlicht das Sinnbild der lokalen Kirchenarchitektur, auch durch die nach dem Eiderstedter Typ geschaffene hölzerne Kanzel aus dem Jahr 1578. Außerdem können die Gemälde, der besonders prunkvoll geschmückte Altar oder die Klänge der Orgel Besucher und Gläubige beeindrucken. Mittlerweile ist die St. Michael überregional bekannt als die „Sommerkirche Welt“, die in den Sommermonaten ein beliebter Treffpunkt als Kultur- & Veranstaltungszentrum mit Lesungen, Vorträgen und Konzerten für alle Altersklassen ist.

Weitere Tipps und Ideen für einen Winterurlaub an der Nordseeküste gibt auf www.nordseetourismus.de oder über die Broschüre “nordsee Winterfrische“, die über 04841-89750 oder info@nordseetourismus.de kostenlos erhältlich ist.

Quelle: Nordsee Tourismus

 

Meer mit Mehr

Zu Besuch bei den Nationalpark-Partnern auf Eiderstedt

Wioletta Gattorf vor dem Roten Haubarg - Bild (c) www.nordseetourismus.de

Wioletta Gattorf vor dem Roten Haubarg – Bild (c) www.nordseetourismus.de

Es wird Abend an der Nordsee. In der Ferne, vor St. Peter-Ording, rollen die Wellen auf den Sand. Und zu hören ist ein fernes, sanftes Rauschen. Dazu sehnsuchtsvolle Möwenschreie – die Melodie des Meeres. Aber hier ist noch mehr: Wer auf den Wegen in das Vorland geht, in Richtung des Nationalparks Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer und UNESCO-Weltnaturerbes Wattenmeer, wird vielleicht Moorfrösche hören oder Kreuzkröten. Wer genau hinschaut, wird die Feldlerche auf ihrem Flug sehen und ihr melodisches Tirilieren hören. Hier in der Salzwiese, dort, wo der Nationalpark anfängt, und schon mittendrin in einer einzigartigen Landschaft. Ankommen und Durchatmen auf der Terrasse des Dünenapartments. Willkommen an der Nordsee, willkommen bei den Nationalpark-Partnern. Hier, auf der Halbinsel Eiderstedt, gibt es besonders viele von ihnen.

Das mit der Feldlerche am Meer: man hätte es kaum gewusst. „Viele Gäste kommen von woanders her, sie kennen das nicht. Wir wollen unseren Gästen die Natur zeigen; dass es sich lohnt, genauer hinzuschauen und dabei auch auf die kleinen Schönheiten zu achten. Sie zu schätzen und in der Konsequenz auch zu schützen und zu bewahren“, sagt Wiltrud Kraas. Familie Kraas, Wiltrud und Ehemann Godber sowie Sohn Welf, betreibt feine Apartments direkt am Dünensaum in St- Peter-Ording in unmittelbarer Nähe zum Nationalpark. Mit den Bio-Apartments „Dünenzeit“ gehört Familie Kraas zu den ersten Nationalpark-Partnern in St. Peter-Ording. Die Nutzung regenerativer Energien und ökologisch sinnvoller Baustoffe – für sie selbstverständlich.

Aber Nationalpark-Partner wie Kraas´ sind noch mehr – sie sind Mittler und Multiplikatoren: „Wir möchten Ihnen auch ein Gefühl für die Natur, ihre Schönheit und ihren Wert geben. Ihnen zeigen, dass sie etwas Besonderes ist“, sagt Godber Kraas und der Gast merkt, dass es den Gastgebern wichtig ist, die Leute persönlich anzusprechen, „…wir sind jederzeit für Sie da!“, sagt Godber Kraas. Das ist das Besondere, das Mehr am Meer: „Ziel des Partnerschaftsprogrammes ist es, die Natur dieser einzigartigen Landschaft schleswig-holsteinisches Wattenmeer zu schützen und zugleich für die Gäste erlebbar zu machen. Unsere Partner stehen dabei für Umweltbewusstsein und Qualität, für Regionalität und Verlässlichkeit“, sagt der Leiter der Nationalparkverwaltung in Tönning Dr. Detlef Hansen.

Vor ihrer Berufung zur Gastgeberin war Wiltrud Kraas übrigens Bio-Lehrerin, sie weiß das mit den Fröschen im Vorland. Und alle Kraas‘ zusammen wissen eine Menge mehr. Wohin die Reise an der Nordsee hier auf der Halbinsel Eiderstedt zum Beispiel gehen könnte. Zu Nationalpark-Partnern mit unterschiedlichen Angeboten, aber einer Leidenschaft: die für die einmalige Natur des Wattenmeeres. „Nur wenn die Menschen sehen, wie wertvoll unsere Natur ist, sind sie bereit, sie zu schützen. Deshalb wollten wir Nationalpark-Partner werden – um diesen Wert weiterzugeben!“ Da ist Familie Kraas sich einig.

Am nächsten Morgen steht das E-Bike vor dem Bio-Apartment, die Karte gibt es am Empfang mit ein paar handfesten Tipps und einem Vorschlag zur Routenplanung. „Wenn man bedenkt, dass manche unserer Bauern auch Landschaftspfleger sind und Sie eine typische nordfriesische Spezialität probieren möchten, dann radeln Sie mal zu Monika und Redlef Volquardsen nach Tetenbüll …“, sagt Godber Kraas zum Abschied. Auf also zu den nächsten Nationalpark-Partnern! Sie erfüllen Kriterien, die dem Gast einen gleichermaßen erlebnisreichen wie umweltschonenden Urlaub im Nationalpark Wattenmeer garantieren. „Bei unseren Nationalpark-Partnern können Sie sicher sein, dass Ihr Urlaub besonders nachhaltig und umweltfreundlich ist und Ihre Gastgeber motiviert und regional engagiert sind. Sie sind Qualitätsanbieter. Nationalpark-Partner verstehen sich als Botschafter des Nationalparkgedankens – sie sind freundliche Gastgeber und kompetente Berater in Sachen Nationalpark“, erklärt Matthias Kundy, in der Nationalparkverwaltung verantwortlich für das Partnerprojekt.

Abseits der großen Straßen führt der Weg zur Friesischen Schafskäserei nahe Tetenbüll durch eine grün-gemütliche und beruhigende Marschlandschaft. Der Blick schweift in die freie Unendlichkeit unter dem hohen Himmel, bleibt hier und dort hängen an kleinen Katen oder an einer Reihe Pappeln, die mit seltsam flirrenden Blättern im Sonnenlicht steht. Es sind stille Stunden. Kiebitze flitzen über satte Weiden, auf vielen stehen Schafe – an der Küste gehören sie dazu. Bei Monika und Redlef Volquardsen rasen sie über die Weide, als Monika das Gatter öffnet. „Wir halten rund 120 friesische Milchschafe“, sagt sie, als Hütehund „Nop“ die Tiere zusammentreibt; es ist Zeit zum Melken.

„Durch den Tritt und Verbiss pflegen die Schafe diese alte Kulturlandschaft und erhalten anderen, manch inzwischen selten gewordenen Tier- und Pflanzenarten ihren Lebensraum – zum Beispiel den für die Uferschnepfe. Es sind sensible Biotope, die durch die extensive Schafhaltung am besten und natürlich erhalten werden“, sagt Monika Volquardsen. Gemeinsam stellten sie und ihr Mann vor 14 Jahren den ehemaligen (schon damals Bioland-) Rindermastbetrieb auf Schaf und Milch um. Damit erhalten die beiden passionierten Landwirte auch zwei alte friesische Traditionen – die der Schafhaltung und die der Käserei.

Es ist ein schöner, stattlicher Hof, mehr als 120 Jahre alt und gelegen im saftig-satten Grünland, das von Wassergräben durchzogen ist. Monika und Redlef Volquardsen haben eine eigene Käserei, die Treppe führt in den kühlen Keller. Je näher man dem Reifekeller kommt, desto intensiver riecht es nach Milch und – ja: irgendwie – nach Champignons. Wie genau aus der Eiderstedter Milch köstlicher Käse – zum Beispiel der nussige „Tetenbüller“ oder der an Romadour erinnernde, pikante „Rote Friese“ – wird, bleibt ein Geheimnis dieses Reifekellers mit seiner eigenen Atmosphäre und seinem besonderen Klima.

Manchmal monatelang liegen die Laibe hier unten auf den Holzregalen. Aber: „Ohne Pflege geht es nicht“, sagt Redlef, „wir müssen die Laibe regelmäßig wenden, mit Salzwasser bearbeiten und bürsten.“ Und guter Käse braucht zusätzlich Leidenschaft. Wer die beiden da unten in ihrem Keller bei der Arbeit beobachtet, wird verstehen, was gemeint ist. Schmecken tut man das später. Und wieder stehen ein paar Touristen am Gatter; besichtigen die wilde Herde, bestaunen den Hof. „Dürfen wir uns das mal ansehen. Können wir mal probieren?“ Dürfen sie, können sie. Bei Landwirten, bei Nationalpark-Partnern, aus Liebe und aus Leidenschaft.

Landwirtschaft hat diese Landschaft am Rande des Nationalparks geprägt, die Höfe sind – neben den Kirchen – Wahrzeichen Eiderstedts. Fernes Muhen und Meckern vermengt sich mit dem Schrei der Möwen. Monika und Redlef Volquardsen haben zum Abschied noch einen Tipp: Wer Zeit und Muße mitbringt, kann seine Sinne schärfen in diesem Naturraum.

Auf dem Mars-Skipper-Hof in Kotzenbüll laden mehr als 80 Spielstationen zur Sinnesschulung und Wahrnehmungsförderung ein. Maren von der Heide ist die Gestalterin dieses wundersamen Ortes. „Viele Leute fragen uns, woher der Name ,Mars-Skipper-Hof` stammt – es ist der Hof der Schiffer in der Marsch“, erklärt sie. „Diese alte Hofstelle, sie wurde im 14. Jahrhundert erstmals erwähnt, konnte mit dem Schiff erreicht werden.“ Im vorvergangenen Jahrhundert entstand der prächtige Haubarg – diese Bauernhöfe gelten als die größten der Welt und sind eine Besonderheit Eiderstedts. Sie fügen sich ein in diese Landschaft wie ein trutziges, erdverbundenes Element. In eine Landschaft, die von und mit der Nordsee existiert, wo der Rhythmus der Gezeiten und der Einfluss der nahen See zu spüren sind. Eine Landschaft, die dem Meer vor Jahrhunderten abgerungen wurde – Eiderstedt, das waren einst zwei Inseln und eine kaum zugängliche Halbinsel.

„Gedacht sind unsere Angebote für Kinder und Jugendliche – aber jeder Erwachsene ist natürlich herzlich willkommen“, sagt Maren von der Heide. „Um spielerisch die Natur (wieder)zuentdecken. Sie zu hegen und zu pflegen; ihren Wert zu erkennen – und sehen, fühlen, schmecken, was sie uns Wertvolles gibt.“ Zum Beispiel dies: Maren von der Heide führt in den Garten, unter alten Kastanien und mächtigen Eschen hindurch und über den alten Graben, in den sich Kinder so gern fallen lassen. „Kräuterbeet und Garten sind so angelegt, dass sie den Verlauf des Tages wiederspiegeln – Mais steht zum Beispiel für das Frühstück: Cornflakes. Liebstöckel und Kartoffeln für das Mittagessen, Birnen und Rhabarber für den Kuchen am Nachmittag, Getreide für das Abendbrot.“

Die Bäume rund um den Hof sind das Revier eines jungen Bussards, Käuzchen nisten in den alten Bäumen und Fledermäuse leben im Gebälk des alten Haubargs. Selbst wer sich nicht länger aufhalten kann, ist zur kurzen Rast auf dem Mars-Skipper-Hof willkommen. „Kleinigkeiten wie eine Suppe oder Kuchen bieten wir jedem Radler an“, sagt Maren von der Heide, „und den Apfelsaft gewinnen wir aus eigenen Früchten – aus historischen, fast vergessenen regionalen Sorten wie zum Beispiel dem ,Alten Tönninger Apfel`.“

Einen weiteren Haubarg – und auch den sollte man nicht verpassen – gibt es im Norden der Halbinsel. Der Weg führt über stille Straßen; teils behütet durch Baum und Busch, teils exponiert mit weitem Blick und scheinbar verloren in Zeit und Raum. Immer wieder spürt man den Wind (der mit einem Elektroantrieb niemals ärgert), der das Aroma der nahen Nordsee herüberträgt. Kleine Katen ducken sich unter dem hohen Himmel, dann ein gemütliches Gasthaus und hinter Witzwort bald der mächtige Hof auf dem Hügel, der Haubarg. Rot ist er nicht, obwohl er so heißt, es ist trotzdem der Richtige:

An der Decke hängt ein Schinken und Champagner liegt im Alkoven. Vor dem offenen Kamin knarren die Stühle gemütlich. Dies ist der „Rote Haubarg“ nahe Witzwort und es ist Kaffeestunde. Tortenstück um Tortenstück wird vorbeigetragen – in die gute Stube oder nach draußen in den Garten. Auch dieser Haubarg thront über der Weite Eiderstedts; stolz und herrschaftlich. Weiß gekalktes Mauerwerk, reetgedecktes Dach. Und warum heißt dieser hier „Roter Haubarg“? „Früher hatte er ein Ziegeldach und die Backsteinwände waren noch nicht weiß geschlämmt“, sagt Pächterin Wioletta Gattorf.

Wioletta Gattorf ist mit dem „Roten Haubarg“ Nationalpark-Partnerin und serviert hauptsächlich regionale, saisonale Spezialitäten – wie es hier halt schmeckt. „Die Gäste freuen sich sogar, dass es fast ausschließlich regionale Produkte gibt: Matjes und Scholle, Fleisch vom Angler Sattelschwein, das ist eine alte, regionale Art, und das Lamm stammt aus Nordfriesland.“ Damit servieren sie hier nicht nur leckere und typische Produkte, sondern auch eine ordentliche Portion Authentizität. „Und darauf achten unsere Gäste: auf Regionalität, auf Qualität. Auf das Echte und Ehrliche. Das Natürliche. Wir haben sogar einen eigenen Kräutergarten“, sagt Wioletta Gattorf, die den Gedanken der Nationalpark-Partnerschaft („…das ist wie ein gutes Warenzeichen, ein wertvolles Qualitätsmerkmal…“) damit nicht nur zur Freude der Gäste lebt.

Auf Eiderstedt herrscht nicht nur wohltuendes See-, sondern auch ein besonderes Kunstklima – eine enorme Zahl an Künstlern lebt und arbeitet hier in der Nationalparkregion. Im „Alten Rathaus“ in Garding lädt der „Förderverein für Kunst und Kultur Eiderstedt“ in die Galerie. „Urlaub ist mehr als nur Sandburgen bauen“, sagt der Schriftsteller Dirk-Uwe Becker – und dieser Kunstraum in Garding gewiss mehr als nur eine Schlechtwetteralternative. Auch dieser Verein ist Nationalpark-Partner, denn der Zugang zur Natur und die Möglichkeiten, ihre Schönheit zu betrachten, sind von vielen Positionen aus möglich – Kunst ist eine davon; seien es Worte, seien es Bilder.

In der Galerie hängen beispielweise Werke des Malers Raimund Behrend aus dem nahen Oldenswort. Inspiriert durch die nordfriesische Natur entstehen Bilder, die die Faszination der Küste widerspiegeln – mystisch und mit teils unwirklich erscheinender Atmosphäre, geheimnisvoll. So, wie die Landschaft draußen – die Faszination Wattenmeer erscheint in vielen Facetten; so, wie sie jeder Gast für sich selbst erlebt. Becker, Vorsitzender des Fördervereins, erzählt während seiner Lesung „Meer & Mehr“ Geschichten, die den Blick auch auf das Kleine lenken. Und er zeigt, wie alle anderen Künstler auch, dass Natur, dass der Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer etwas ist, das es zu schützen und zu bewahren gilt. Wie mit allen gezeigten Werken soll dieser Schauraum den Gast sensibilisieren; mit Wort und mit Bild, und „…er möge schmökern, er möge schwelgen.“ Das macht Lust, diese Schönheiten auch draußen zu entdecken. So sind sie, die Nationalpark-Partner: Sie bringen einen auf den Weg – zum Erleben und Genießen.

Weitere Informationen:

Urlaub bei den Nationalpark-Partnern: Seit 2003 werden im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer Partnerschaften vergeben. Ein Programm, das für die Zusammenarbeit zwischen der Nationalparkverwaltung, Gemeinden, Naturschutzverbänden und touristischen Betrieben der Region steht, die sich für den Nationalpark einsetzen. Die Küstenlandschaft und das UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer zu erhalten und sie den Gästen der Westküste erlebbar zu machen ist das Hauptziel der Partnerschaft. Mehr als 160 Partner – Hotels, Restaurants, Reedereien, Gästeführer und Co. – sind mittlerweile als Botschafter der Nationalpark-Idee unterwegs. Jeder Aufenthalt bei einem Nationalpark-Partner unterstützt daher den Schutz dieser einzigartigen Naturlandschaft. Denn: Sie l(i)eben das Wattenmeer. www.nationalpark-partner-sh.de

Weitere Tipps und Ideen für einen genussvollen Urlaub an der Nordsee-Schleswig-Holstein unter www.nordseetourismus.de

Quelle: Nordseetourismus GmbH

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Auf den Spuren der alten Friesen: Flüsternde Grabsteine und historische Kirchen

Zeugen vergangener Zeiten: Die Inschriften nordfriesischer Grabsteine erzählen die Geschichten der Verstorbenen – Bild: www.nordseetourismus.de/Constanze Höfinghoff

Sie sind Zeitzeugen der Seefahrergeschichte: An der Nordsee in Schleswig-Holstein stoßen Urlauber auf zahlreiche uralte Gedenktafeln und mittelalterliche Kirchen. Windschief und verwittert berichten die Grabsteine zum Beispiel auf der Insel Föhr aus längst vergangenen Zeiten. Nicht nur persönliche Daten wie Geburt, Heirat und Tod regen hier die Fantasie des Betrachters an. Auch die Geschichten des Seefahrers oder Walfängers und das Schicksal ihrer Familien werden auf den Steinen dokumentiert. Der weltweit erfolgreichste Walfangkommandeur Matthias Petersen wurde zum Beispiel 1632 in Oldsum auf Föhr geboren und kam laut Inschrift auf 373 Walfänge. Fortan wurde er der „Glückliche Matthias“ genannt. Sein Grab finden Besucher auf dem Friedhof von St. Laurentii in Süderende/Föhr. Aufmerksame Betrachter entdecken zudem häufig florale Motive auf Föhringer Grabsteinen. Mit tulpenähnlichen Blumen sind links der Mann und die Söhne der Familie dargestellt, die Frau und die Töchter finden sich rechts in Form von vierblütigen Blumen. Viele der Inschriften sind in hochdeutscher Sprache verfasst. Plattdeutsch, das bis etwa 1700 Amts- und Kirchensprache war, findet sich nur auf einer Stele. Inschriften auf Friesisch, der Föhringer Sprache, gibt es auf den neueren Grabsteinen des 20. Jahrhunderts. www.foehr.de

Die Lebensläufe der Verstorbenen aus der Zeit von 1670 bis 1830 erzählen auch die Grabsteine in Nebel auf Amrum. Seefahrer und Walfänger sowie der erste Müller der Insel sind hier begraben. Sein Grabstein ziert eine Mühle. Die Symbole sind in Sandstein gemeißelt, kunstvoll, detailreich und mit aufwändigen Ornamenten verziert. Zahlreiche Steine sind auch auf der Rückseite beschriftet. Einer der bekanntesten Grabsteine ist der von Hark Oluf. Der Amrumer wurde 1724 mit seinem Schiff auf dem Weg von Nantes (Südfrankreich) nach Hamburg von algerischen Kaperern entführt und auf dem Sklavenmarkt in Algier verkauft. 1735 unterstützte er die algerische Armee bei der Eroberung von Tunis und wurde zum Dank freigegeben. Sein Grabstein ist daher mit einem Turban geschmückt. www.amrum.de

Historische Grabsteine gibt es auch auf dem Festland. Auf dem Friedhof der St. Laurentiuskirche zu Fahretoft in der Gemeinde Dagebüll finden Besucher zum Beispiel die Gedenksteine des Mathematikers und Künstlers Hans Momsen (1735-1811) sowie von Christian Jensen (1839-1900), Missionar und Gründer der Schleswig-Holsteinischen Evangelisch-Lutherischen Missionsgesellschaft. www.nordfrieslandtourismus.de

Auf eine kulturelle Zeitreise können Gäste zudem auf der Halbinsel Eiderstedt gehen. Die 18 historischen Kirchen auf kleinem Raum sind ein besonderes Zeugnis der Kulturgeschichte im protestantischen Norden. Die hohe Anzahl der Kirchen ist Zeichen für den Wohlstand der Bauern, die auf der Halbinsel Eiderstedt unabhängig blieben. Die älteste Kirche wurde 1103 für die Landschaft UtholmTating errichtet. www.tz-eiderstedt.de

Zu den ersten Kirchenbauten in Nordfriesland gehört die Alte Kirche zu Pellworm. Noch heute steht die markante Turmruine aus dem 13. und 14. Jahrhundert. Der Turm war ehemals Zufluchtsort, Seezeichen und Glockenturm. Unterhalb des Turms sehen Besucher den Heimatlosenfriedhof. Hier wurden meist unbekannte, am Strand angetriebene Leichen christlich bestattet. www.alte-kirche.de

Mehr Informationen zu den historischen Sehenswürdigkeiten an der Nordsee erhalten Interessierte telefonisch unter 0 48 41 – 89 75 0 sowie im Internet unter www.nordseetourismus.de.

Quelle: Nordsee-Tourismus-Service GmbH

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